Guckt mal… Mama… Papa…

Letzte Woche machte ich nach der Arbeit wieder einen kleinen Spaziergang Richtung Hauptwache. An einem Haus war eine kleine Familie und ein kleines Mädchen von etwa vier Jahren und mit hellblonden Haaren rannte zu einer Hausmauer und rief: „Guckt mal… Mama… Papa…!“

Als Mama und Papa dann endlich schauten (die kleinere Schwester musste nebenbei auch beaufsichtigt werden), da rannte das kleine Mädchen los. Ich beobachtete das alles beim langsamen Vorbeigehen und überlegte mir, was sie nun tun würde. Sie war ja schließlich nur etwa 5 Meter von den Eltern entfernt gewesen. Ich schaute auf den Boden. Keine Erhebung, nichts, worüber man springen könnte. Aber vielleicht wollte sie nur über einen andersfarbigen Stein springen… Die Kleine lief so schnell sie konnte… und blieb nach eben diesen circa 5 Metern stehen.

„Aha“ dachte ich, „war ja nun wirklich nichts Besonderes…“ (schöne Grüße vom westlich-kulturell geprägten Leistungsdenken!) Und dann kam der nächste Gedanke: Sie musste nichts Besonderes machen. Sie war ein kleines Mädchen und es war ihr vermutlich wichtig, dass die Eltern mal sehen konnten, wie schnell sie schon war. Ohne über einen andersfarbigen Stein zu springen oder sonst eine besondere Leistung zu erbringen. Für die Eltern war das so auch absolut in Ordnung. Es war ihre kleine, gesunde Tochter, die sich wohl fühlte und freute.

Es ist so abartig, dieses westlich-kulturell geprägte Leistungsdenken*: „Tue etwas, dann bist du jemand!“ Aber bitte nur in den Sparten Arbeit und Sport. Wenn man sich sozial engagiert und etwas für andere (Menschen wie Tiere) tut, ohne Geld dafür zu erhalten (herzliche Grüße an alle Ehrenämtler!) oder vielleicht sogar noch selbst eigenes Geld dafür aufwendet, gilt man (erschreckend oft) nicht als „ein jemand“, sondern als blöd.

Wie absolut bescheuert! Als wenn es nicht ausreichend genug wäre, wenn wir mal wir selbst wären, mit unseren ganz persönlichen, eigenen Schwächen, aber eben auch mit unseren ganz eigenen, persönlichen Stärken, die auch für andere eingesetzt werden. Freiwillig. Weil es einfach schön ist, für andere da zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Wie schön könnte es sein, wenn wir wieder mehr wir selbst sein würden und dabei keine Probleme damit hätten, dass andere Menschen eben auch sie selbst sind. Welch herrliche Synergien könnten da entwickelt und ermöglicht werden.

Doch es gab bei diesen Gedankengängen noch einen ganz anderen Gedanken, der ein Lächeln auf mein Gesicht zauberte:

„Im Himmel“ (wobei er ja wirklich überall um uns herum ist) haben wir einen Vater,…

  • der uns sieht (wo auch immer wir sind),
  • der uns zusieht (was wir gerade machen),
  • der uns lächelnd betrachtet, auch wenn wir gar nichts „Besonderes“ tun,
  • auch, wenn wir gar nichts „tun“, sondern einfach sind/leben.

Hagar (Genesis 17) nannte Gott „El-Roi“ = Gott des Sehens

Gott erwartet keine Höchstleistungen von uns. Er hat seinen Plan für uns und er weiß, was wir tun können und sollten (mit unserem freien Willen entscheiden wir dann immer selbst, ob wir unseren eigenen Ideen/Plänen folgen oder uns von Gott führen lassen – entsprechend sind dann auch die Ergebnisse). Gott kennt unsere Schwächen und Stärken. Gott kann unsere Schwächen problemlos ausgleichen.

„Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“
2. Korinther 12,9

Und wenn uns Gott an unsere Grenzen führt, sorgt er auch dafür, dass sich diese Grenzen ausweiten, weil er uns eben die Kraft und entsprechende Befähigung dazu gibt.

Das bedeutet aber nicht, dass er uns mehr liebt, wenn wir uns ihm unterordnen und unser Bestes geben, oder dass er uns weniger lieben würde, wenn wir immer wieder unsere eigenen Wege gehen und von einer Sackgasse in die nächste stolpern.

Gott liebt mich, so wie ich bin! Und es gibt nichts, was ich dagegen tun kann!

Ich muss weder mir noch Gott etwas beweisen. Und wenn ich Lust habe, kann ich mich, wie das kleine Mädchen, von meinem jetzigen Standpunkt (der Hausmauer) abstoßen und so schnell rennen, wie es mir möglich ist. Und wenn ich lieber langsam spazieren gehe, dann darf ich auch schlendern und die Gegend beobachten und das Leben genießen. Und Gott sieht mich, hat seine Augen auf mich gerichtet… Ich muss ihn nicht mal rufen, damit er zu mir hin schaut. Genauso, wie er auch Dich und/oder Sie im Blick hat – und jeden anderen der knapp 8 Milliarden Menschen auf der Welt.

…Danke, Abba!

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